Riesenjubel in Nerchau! Bei den Paralympics 2008 in Peking fischte der querschnittsgelähmte Thomas Grimm über 100 Meter Brust Silber aus dem Becken des Pekinger National-Aquatic-Centers. Das Finale vor 11 000 Zuschauern war an Dramatik nicht zu überbieten. Zwar schlug der Mexikaner Pedro Rangel als Erster an, doch wurde dieser wenig später disqualifiziert. Damit sprach das Komitee die Goldmedaille zunächst dem gebürtigen Nerchauer Thomas Grimm zu, der sich seiner Freudentränen nicht schämte. Vom Beckenrand aus telefonierte Grimm gerade mit der Muldentalzeitung, als ihn die Nachricht vom stattgegebenen mexikanischen Protest erreichte. Während andere von Skandal sprachen, äußerte sich Grimm nach seinem letzten internationalen Rennen als tadelloser Sportsmann: „Macht nichts, dann ist es eben Silber.“ Er verstehe sich mit dem Mexikaner sehr gut und gönne ihm den Triumph. Er werde im nächsten Jahr sein Studium der Rehabilitationspädagogik abschließen und freue sich danach auf die Arbeit mit verhaltensauffälligen Jugendlichen, sagte Grimm.
Daheim in Nerchau stand das elterliche Telefon nicht still: „Die Freude ist natürlich groß“, konnten es Silvia und Wolfgang Grimm gestern noch gar nicht fassen. „Freunde und Bekannte beglückwünschen uns. Oma Anita, Tante Steffi, Onkel Lutz und Schwester Sandra – alle wohnen in Nerchau und fieberten mit. Genauso wie viele andere, die uns seit Tagen beim Einkauf und auf Arbeit spontan angesprochen hatten.“ Mit Freundin Tatjana wird Thomas Grimm noch gut drei Wochen durch China reisen, ehe er am 11. Oktober in Nerchau eintrifft: „Dann wird bei uns in der Karl-Liebknecht-Straße gefeiert“, kündigte Mutter Silvia an. Sie wolle den Sohnemann mit einer ordentlichen Portion Nudelauflauf verwöhnen.
Jubel auch bei Bürgermeister Uwe Cieslack, der den Kämpfertypen vor Jahren beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt erlebte: „Wir würden mit ihm gern im Rathaus anstoßen.“ Dieter Mätzold, Ehrenpräsident des Nerchauer SV, würdigte den einstigen Kunstradfahrer und Tischtennisspieler bereits gestern Abend bei der Vereinigung der Kreissportbünde Muldental und Leipziger Land.
Manuela Voigt trainierte den Nerchauer zwei Monate lang im Nimbschener Fitnessclub. Sie bezeichnete die Medaille als krönenden Abschluss einer bemerkenswerten sportlichen Karriere. „Ich bleibe mit Thomas weiter in Kontakt. Mit einem belgischen Choreografen und zwei Turnerinnen wollen wir eine dreiminütige Show inszenieren, bei der Thomas im Rollstuhl für den Behindertensport werben wird.“