Bis zur Wende des 19. Jahrhunderts besaß Nerchau eine stattliche Gänseherde mit Gänsehirten an der Spitze. Die Gänseherde setzte sich aus vielen Kleinherden der Einwohner zusammen, für die die Gänse als Festtagsbraten und Bettfedernlieferanten dienten. Begünstigt wurde die Gänsehaltung durch die vorhandenen Teiche und Wiesen sowie die große Wiesenfläche an der Mulde.
1935 berichtete der Nerchauer Theodor Hessel, daß zu jedem Haus Gänse gehörten und Familie Kötz stellte die Gänsehirten. Frühmorgens zogen sie pfeifend durch den Ort und trieben die Gänse aus Häusern und Höfen zusammen. Mit viel Geschnatter und Peitschenknall watschelten diese zu den Muldenwiesen. Auch im Gemeindeteich badeten die Tiere und hier war auch der Kampfplatz der "Gänseriche". Gegen Abend wurde heimgetrieben. Alle Tiere fanden den Weg zu ihren Häusern und Höfen allein und mit großem Hungergeschrei zogen sie ein, denn von Gras allein ist noch keine Gans fett geworden.
Täglich wurde ausgetrieben, aber ab dem Sommer 1870 durfte dieses auf Bitten des damaligen Pfarrers Ludewig an Sonn- und Feiertagen erst nach Beendigung des Frühgottesdienstes geschehen.
Wahrscheinlich störte das Geschnatter die kirchlichen Feiern.
Da die Gänse oft das Straßenbild beherrschten, erhielt das Städtchen den Namen "Gänse-Nerche".